Ein außergewöhnlicher Trainer geht

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1999

Außergewöhnlich. Am heutigen Dienstag (30.06.) endet ein außergewöhnliches Engagement als Trainer beim VfR 09 Meerholz. Nach fünf teils mitreißenden, immer spannenden und nie langweiligen Jahren beendet der ehemalige Fußball-Bundesligaprofi Uwe Müller seine Arbeit beim Gelnhäuser Kreisoberligisten. Zeit für eine Bilanz, die mehr ist als nur die Summe von 160 Pflichtspielen in der Kreisoberliga.

Zwei, die sich verstanden: Uwe Müller (links) und Horst Uffelmann.
Zwei, die sich verstanden: Uwe Müller (links) und Horst Uffelmann.

Kein Trainer in den letzten 30 Jahren war länger an der Seitenlinie verantwortlich als Uwe Müller. Das kann man nicht planen, sagt Uwe Müller selbst. Aber dafür gibt es einige Gründe, sagen wir. Einige wollen wir hier nennen.

Außergewöhnlich war schon die Vorbereitung auf das Engagement in Meerholz. Noch nie hatten die Verantwortlichen des VfR einen Trainerkandidaten beim Gespräch erlebt, der so gut auf das Gespräch vorbereitet war, so viel über Spieler und Umfeld des Vereins wusste und so klare Vorstellungen davon hatte, wie die Zusammenarbeit laufen sollte. Uwe Müller — er fühlte sich von Anfang an „in Meerholz zu Hause“.)
Außergewöhnlich hoch war auch der Grad der Übereinstimmungen in den Zielen. Mit jungen

Gut vorbereitet bei jedem Spiel.
Gut vorbereitet bei jedem Spiel.

Spielern arbeiten, mit bescheidenen Mitteln die richtigen Charaktere in Meerholz halten oder dorthin locken, eine offensive fußballerische Idee umsetzen, Rückschläge einkalkulieren. Damit hatten Uwe Müller und die Sportliche Leitung um Horst Uffelmann vom ersten Tag an eine gesunde Basis geschaffen.

Außergewöhnlich war auch die Vita des „Neuen“ an der Meerholzer Seitenlinie. Müller kann auf eine Karriere mit 131 Bundesliga-Spielen bei Eintracht Frankfurt (1982 bis 1988) und 235 Spielen in der österreichischen Bundesliga bei Austria und Admira/Wacker Wien zurückblicken (1988 bis 1996).
Nach seiner Profizeit spielte er unter anderem noch beim FV Steinau in der Oberliga Hessen und war Spieler und Spielertrainer bei Eintracht Oberissigheim in der Landesliga Süd. Zuletzt war er

Wenn der Vater mit dem Sohne: Uwe Müller (vorne) und Kevin Rehahn standen beim 5:0-Sieg gegen Pfaffenhausen erstmals gemeinsam auf dem Platz.
Wenn der Vater mit dem Sohne: Uwe Müller (vorne) und Kevin Rehahn standen beim 5:0-Sieg gegen Pfaffenhausen erstmals gemeinsam auf dem Platz.

von Januar 2002 bis November 2009 – also immerhin sieben Jahre lang — Spielertrainer bei der Spvvg 1910 Langenselbold in der Kreisliga A und der Bezirksliga Hanau. Es sollten fünf Jahre in Meerholz und dabei noch 42 aktive Einsätze und 2 Tore (eines mehr als sein Sohn Kevin bisher) hinzukommen.

Außergewöhnlich war schließlich auch das Training und die Spielvorbereitung, die Uwe Müller über fünf Spielzeiten anbot. Immer wieder brachte er neue Trainingsformen ein, gestaltete die Trainingswochen variabel und ansprechend. Viele Trainer – bis hoch zur Bundesliga – haben es versprochen, Uwe Müller hat es gehalten: Er hat die Spieler weiterentwickelt. „Ich habe bislang keinen Trainer erlebt, der mich so sehr weitergebracht hat“, sagte der langjährige Capitano Kai Lotz bei der Verabschiedung.

Außergewöhnlich waren auch die beiden ersten Spielzeiten in Meerholz. In seinem ersten Jahr

Trainer Uwe Müller engagiert sich gegen Gewalt und Diskriminierung.
Trainer Uwe Müller engagiert sich gegen Gewalt und Diskriminierung.

stand am Ende der Saison mit 58 Punkten und einem Torverhältnis von plus 39 der zweite Tabellenplatz in der Kreisoberliga zu Buche. In der anschließenden Relegation war man ohne Chance, doch für viele junge Spieler war der Aufstiegskampf eine spannende Sache.

In die zweiste Saison unter Uwe Müller ging man wegen der Relegationsspiele mit der Hypothek einer verkürzten Sommerpause. Doch auch in dieser Saison war man über weite Strecken „oben“ mit dabei. Am Ende entschieden Kleinigkeiten, und 54 Punkte bedeuteten in einer sehr starken Kreisoberliga den 6. Tabellenplatz.

Die dritte Saison brachte einen ersten Bruch, aber sie zeigte eine weitere außergewöhnliche Seite von Uwe Müller: Trotz einer enormen Verletzungsserie, die am Ende nicht mehr als den 12. Tabellenplatz bei 39 eingespielten Punkten einbrachte, rief Uwe Müller nie nach Verstärkungen. Er bediente sich aus dem Pool der Spieler, die da waren. „Macht Euch keine Sorgen, ich werde eine spielstarke Mannschaft stellen“, lautete einer seiner steten Ansagen in dieser Zeit.

Das langjährige Trainergespann des VfR 09 Meerholz
Das langjährige Trainergespann des VfR 09 Meerholz

Die vierte Saison war zweigeteilt: Eine bärenstarken Vorrunde brachte die Mannschaft an die Tabellenspitze der Kreisoberliga. Es folgte eine weitere Verletzungsmisere ungeahnten Ausmaßes und am Ende der Absturz auf den 9. Tabellenplatz, der mit 47 Punkten erreicht werden konnte. Diese Rückrunde zeigte bereits auf, dass der VfR mit seinem sehr dünn besetzten Kader schwierigen Zeiten entgegengeht.

Und das zeigte sich auch in der letzten, gerade abgelaufenen Saison. Zum Glück punktete man in der Hinrunde ordentlich (22 Punkte), so dass die schwache Ausbeute von 12 Punkten aus der Rückrunde gerade so ausreichte, um mit 34 Punkten „über dem Strich“ zu bleiben.

Ergibt folgende Gesamtbilanz:

160 Pflichtspiele als Trainer, dabei 69 Siege, 26 Unentschieden und 65 Niederlagen. Die 233 erreichten Punkte in fünf Jahren (ein solider Schnitt von 46 Punkten pro Spielzeit) werden bei einem Torverhältnis von 342:307 eingespielt. Im Schnitt ist jedes Spiel unter der Regie von Uwe Müller mit 2,1 zu 1,9 Toren gewonnen worden.

Außergewöhnlich. Wir sagen, „Danke, Uwe, für Deine Arbeit in Meerholz.“

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